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Christine Tuor, Leiterin des Instituts für Theologie und Ethik, hielt am Mittwoch ein Grundsatzreferat "Christliche Ethik auf dem Prüfstand" vor dem Evangelischen Grossen Rat in Chur.
Nicht überall stossen die ethischen und politischen Stellungnahmen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes auf ungeteilte Zustimmung. Mit der Bündnerin Christine Tuor war nun die zuständige Leiterin des Instituts für Theologie und Ethik in Chur anwesend. In einem Grundsatzreferat versuchte sie den evangelischen Parlamentariern deutlich zu machen, welche Schwierigkeiten bei einer Stellungnahme des Kirchenbundes bewältigt werden.
Abwägung beim Waffenexport "Die biblische Ethik gibt es nicht" sagt die Christine Tuor. Ethik verändere sich in der Geschichte und sei immer eine Gruppenmoral, deren Geltung nicht ohne weiteres auf andere Personen ausgedehnt werden könne. Biblische Aussagen müssten also ständig übersetzt werden in den Kontext der heutigen Zeit.
An Hand von drei Beispielen machte sie diese Übersetzungsarbeit deutlich: An der Wirtschafts- und Finanzkrise, der Sterbehilfe und dem Kriegsmaterial-Export. Gerade am letzten Beispiel zeige sich, dass Empfehlungen nicht immer in einem klaren Ja oder Nein münden. Da die Schweiz selber die bewaffnete Landesverteidigung für sich in Anspruch nehme und auch Waffen importiere, wäre ein generelles Ausfuhrverbot ethisch nicht gerechtfertigt. Andererseits gehöre die Verheissung von gerechtem Frieden zum Wesen des christlichen Glaubens. Hier müsse der Stimmbürger also zwischen einer "unbefriedigenden Alternative" abwägen. Ein taktisches Stimmverhalten, das ein Anliegen verstärken will ohne dem vorliegenden Entwurf uneingeschränkt zuzustimmen, hielt die Referentin dagegen für "nicht unethisch".
Kontroverse über Verwaltungsreform Die Landeskirche plant eine Verwaltungsreform. Laut Kirchenratspräsidentin Lini Sutter geht der bisherige Aktuar Giovanni Caduff Mitte 2011 in Pension. Er soll ersetzt werden durch einen theologischen Aktuar (60 Prozent Anstellung), einen juristischen Verwaltungsleiter (100 Prozent) und eine Entschädigung des Dekans (20 Prozent). Darauf entspann sich eine lange und kontroverse Diskussion im Parlament. Grossrat Urs Hardegger wollte die konkreten Auswirkungen auf ein Betriebsjahr wissen, Grossrat Romedi Arquint beantragte gar die Streichung des Betrags um 40 000 Franken. Am Ende genehmigte das Parlament aber den Voranschlag des Kirchenrates. Gegenüber dem Budget 2008 rechnet man mit einem Rückgang der Kirchensteuererträge um 2 Millionen Franken bei Ausgaben von 9.5 Millionen Franken.
Die Landeskirche hat nach der Abstimmung 1+1 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die ein innerkirchliches Bildungssystem entwickeln soll. Ausserdem ist die Landeskirche laut Kirchenrat Roland Just vom Kanton eingeladen worden, die Umsetzung des Volksentscheides mit zu entwickeln.
Rund70 Prozent der Empfänger lesen die Mitgliederzeitung der Landeskirche reformiert. Dies hat eine Leserschaftsbefragung des Instituts Demoscope ergebe. Für eine gratis verteilte Zeitung, so Pfarrer Fadri Ratti der die Studie vorstellte, sei dies ein sehr guter Wert. |