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Mit einer Grundsatzrede zur Rolle der reformierten Kirche im Staat eröffnete Dekan Thomas Gottschall die Bündner Synode in St. Moritz. Die Synode dauert bis nächsten Montag.
Die reformierte Kirche blicke auf ein bewegtes Jahr zurück, sagte Dekan Thomas Gottschall zur Eröffnung der Synode. Er erinnerte an den Ausschluss eines Pfarrers und an die Volksabstimmung zum Religionsunterricht vom Mai 2009. Jetzt stehe die Kirche vor weiteren wichtigen Weichenstellungen: Das vom Volk beschlossene Schulmodell 1 1 müsse in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden. Intern stehe die Kirche vor einer Verwaltungsreorganisation. Und eine geplante Verfassungsrevision werfe grundsätzliche Fragen auf zur Rolle der Kirche in der Gesellschaft.
Gestärkte Rolle der Kirche nach Abstimmung Einige Grundsatzüberlegungen zur Rolle der Kirche in der Gesellschaft lieferte Gottschall in seiner Ansprache gleich mit. Die Landeskirche, so der Dekan, habe ihr Rollenverständnis in der kritischen Partnerschaft mit Staat und Gesellschaft. Als Partner müsse sie den Dialog zu suchen, etwa in Fragen zur Asylthematik oder sozialen Verantwortung. Zwar sei sie nur eine Anbieterin unter vielen auf dem Markt des Religiösen, der Lebenseinstellungen und der Freizeitkultur. Aber in den Augen der Gesellschaft hätten die Landeskirchen nach wie vor eine hohe Bedeutung, das sei ihm im Abstimmungskampf um die Ethikinitiative noch einmal besonders bewusst geworden. So beschreibt der Dekan die Rolle der Kirche als Ort der Besinnung und Orientierung, der Lebensbewältigung, der Beratung, aber auch also Institution, die für die Schwächeren da ist.
Über die Bedeutung von Johannes Calvin für die Reformation in der Schweiz hielt der Waadtländer Kirchenpräsident Antoine Reymond einen Festvortrag, anlässlich des 500. Geburtstags des Reformators. Er beleuchtete unbekannte Seiten des Reformators, der allein schon sprachlich heute schwer zu verstehen und von wenigen wirklich verstanden worden sei. So würde unter anderem der Seelsorger Calvin heute wenig beachtet, der ein kühnes Christentum entworfen habe mit einem originellen Zugang zur Bibel.
Begrüssung in St. Moritz Die Synode war zuvor von Kirchgemeindepräsidentin Regula Degiacomi humorvoll in St. Moritz begrüsst worden, welche die Gelegenheit nicht verpassen wollte, einmal hundert Pfarrern ins Gewissen zu reden. Musikalisch eröffneten der Kinderchor Dream kids und Organist Hansjörg Stalder die Synode.
Mit dem Lebenslauf und Predigten von Anja Felix-Candrian, Ivan Walter und Elisabeth Weber Ramirez Granados nahm die Synode am späteren Nachmittag ihre ordentlichen Verhandlungsgegenstände wahr. Dazu gehören die Aufnahme und Ordination von neuen Pfarrpersonen in Graubünden. Auf dieser Synode werden sich insgesamt sieben Bewerber der Synode vorstellen. Über ihre Aufnahme entscheiden die Synodalen morgen Nachmittag.
Zur Situation der Christen in Malaysia referierte Tjioe Lan Lie Lucy Kumala. Die Bündner Kirche unterstützt dieses Projekt mit der jährlichen Pfingstkollekte.
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