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Mit dem Ja des Stimmvolks zum Ethik- und Religionsunterricht (Modell 1 plus 1) vor zwei Wochen stellen sich jetzt Fragen zu dessen Umsetzung. Der Evangelische Grosse Rat diskutierte diese auf seiner Frühjahrssitzung heute Nachmittag in Chur.
Für den Präsidenten des Evangelischen Grossen Rats, Hanspeter Pitschi, Arosa, ist klar: "Wir müssen uns als Kirche darum bemühen, dass das Modell 1 1 ein Erfolgsmodell wird." Die Kirche hätte eine Verantwortung gegenüber der Jugend, die weit über den Religionsunterricht hinausgehe.
Wie diese Umsetzung erfolgen soll, skizzierte Kirchenrat Thomas Gottschall. Er sieht dafür drei Partner: Mit der Regierung müssten in den nächsten zwei Jahren Fragen zum Lehrplan, zur Ausbildung der Lehrpersonen und zur Kooperation geklärt werden. Mit der katholischen Kirche gelte es, partnerschaftliche Ziele zu vereinbaren. Und die reformierte Landeskirche selber habe soeben eine Arbeitsgruppe Katechese gegründet. Diese soll den religiösen Lebenslauf eines Kindes von der Geburt bis zur Ausbildung diskutieren und Folgerungen für deren kirchliche Sozialisation und Bildung aufzeigen.
Grossrat Romedi Arquint mahnte, dass durch das Modell 1 1 künftig finanzielle Mittel bei den Kirchgemeinden frei würden. Diese dürften nicht zu Sparübungen benutzt werden. Er verlangte vom Kirchenrat eine gesetzliche Vorlage um die Gemeinden zu verpflichteten, diese Gelder für die Jugend einzusetzen. Grossrat Reto Nick plädierte dafür, mehr Geld in die Qualität der Katecheten zu investieren. Eine Kritik, die Romedi Arquint als Folge der Wahlkampfpropaganda abtat: In Wirklichkeit habe eine Umfrage ergeben, dass zwei Drittel der Schulen am Religionsunterricht nichts auszusetzen hätten und Handlungsbedarf eigentlich nur auf der Oberstufe bestehe.
Guter Abschluss aber zurückgehende Steuererträge Kirchenrat Hans Morgenegg präsentierte die Rechnung der Landeskirche 2008, die "sich in die Erfolgsserie der letzen Jahre" einreihe, aber auch mit Wehrmutstropfen versehen sei. Zwar habe die Landeskirche einen Überschuss von 183 000 Franken erwirtschaftet. Sie hätte aber auch rezessionsbedingt einen zurückgehenden Steuerertrag, sowie ausserordentliche Kosten und die Auflösung von Rückstellungen in Kauf nehmen müssen. 2.4 Millionen Franken seien für kirchliche Bauten aufgewendet worden, für die nächsten Jahre rechnet Morgenegg sogar mit Belastungen von 5.1 Millionen Franken. Der Evangelische Grosse Rat genehmigte Jahresrechnung und Amtsbericht des Kirchenrats.
Totalrevision der Verfassung begonnen In den nächsten fünf bis acht Jahren will der Kirchenrat dem Stimmvolk die Totalrevision er Kirchenverfassung unterbreiten. Christina Bucher, Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission, rüffelte diesen Zeithorizont und plädierte für einen Zeithorizont von drei Jahren. Kirchenratspräsidentin Lini Sutter skizzierte daraufhin den Zeitplan der laufenden Arbeiten. Diese sehen vor, dass ein Grobentwurf der Verfassung Ende 2009 an den Kirchenrat übergeben wird und 2010 für eine Grundsatzdiskussion den Gremien, Kirchgemeinden und Interessierten zur Verfügung steht. Danach müsse der Vernehmlassungsweg bis zur Volksabstimmung beschritten werden, ein Zeithorizont, der sich nicht klar definieren lasse.
Die Kirchgemeinden Lon, Maton und Vargistagn können fusionieren. Der Rat billigte einen entsprechenden Antrag. |