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Rege Diskussionen um den fehlenden Bündner Nachwuchs, die reformierte Identität und ein ausgeglichenes Budget prägten die Sitzung des Evangelischen Grossen Rats heute im Grossratssaal Chur.

In seiner Eröffnungsansprache betonte Präsident Hanspeter Pitschi, dass ihm vor allem der fehlende Nachwuchs von Pfarrpersonen aus Graubünden zu denken gebe. Er deutet das als ein Indiz für die mangelnde Identifizierung grosser Teile der christlichen Gemeinschaft mit der Bündner Kirche, was ihn mit Besorgnis erfülle.

Ein Prozent gegen die Armut
In der Folge stand das Thema "Reformierte Identität" auf der Traktandenliste des kirchlichen Parlaments. Referent Matthias Krieg aus Zürich entwarf das Bild von Reformierten Ausdrucksformen der letzten 500 Jahre. Er liess die puritanische Kleidermoral Revue passieren, Werte wie Rationalität und Bescheidenheit, die Ablehnung des Talars (Schauspielerei), Vorbehalte gegenüber der magischen Welt und die latente Herrschaftskritik. "Kein Kirchenrat ist vor Kritik aus den eigenen Reihen sicher", sagte der Referent. Das gehöre zum Reformiertsein – wie sich an der anschliessenden Sitzung auch in der Praxis zeigte.

Grossrat Martin Butzerin beurteilte seitens der GPK das Budget 2009 von rund 11 Millionen Franken als "realistisch" und empfahl es zur Annahme. Kirchenrat Hans Morgenegg rechnet mit "massiv sinkenden" Einnahmen bei der Kultussteuer. Grund dafür seien die Turbulenzen an den Finanzmärkten und Auswirkungen der kantonalen Steuerreform. Dennoch und erstmals will der Kirchenrat ein Prozent der Steuereinnahmen gezielt einsetzen gegen die Armut. Insgesamt gehen Beiträge in Höhe von 230 000 Franken an kirchliche Hilfswerke. Der Rat stimmte dem Budget ohne Änderungen zu.

Die Grossräte Jeanpierre Menge und Jann Hartmann erkundigten sich, ob die Landeskirche an der Börse Kursverluste erlitten habe. Hans Morgenegg erläuterte das Anlagereglement: Die Kirche habe einen Aktienanteil von höchstens 26 Prozent, derzeit 3 Millionen Franken. Derzeit resultiere ein rein buchmässiger Verlust von 23 Prozent.

Grossrat Romedi Arquint kritisierte die geplante Totalrevision der Kirchenverfassung. Er will einen schnelleren Ablauf als die geplanten acht Jahre, hält Kosten mit 80 000 Franken für 2009 zu hoch und wünscht mehr Basisdemokratie. Kirchenratspräsidentin Lini Sutter betonte in ihrer Antwort, dass der Zeitplan gerade deshalb so weit gefasst sei, um alle interessierten Gruppen einzubeziehen.
Grossrat Jon Manataschal schlug vor, in Zukunft mehr Geld für die Jugendarbeit zu budgetieren. Er verwies auf die Attraktivität von Freikirchen im Engadin und möglicherweise weniger Religionsstunden im kommenden Jahr. Pfarrer Fadri Ratti fragte nach einem Konzept, wie die möglicherweise aus dem Religionsunterricht frei werden Mittel neu eingesetzt werden sollen.

Diskussion um Deutsche Pfarrpersonen
Lini Sutter wird auch in den kommenden vier Jahren als Präsidentin dem Kirchenrat vorstehen. Der Rat bestätigte sie im Amt und bestimmt Pfarrer Thomas Gottschall zu ihrem Stellvertreter. Kirchenrat Lorenz Beck tritt mit dieser Amtperiode aus dem Kirchenrat zurück und wurde mit Dank verabschiedet.

Die Kirchgemeinden Fuldera, Tschierv und Lü und können fusionieren. Der Rat bewilligte den entsprechenden Antrag.

Kirchenrat Thomas Gottschall begrüsste seitens des Kircherats, dass die Bündner Regierung der Juso "ethik.initiative" einen Gegenvorschlag unterbreitet. Dieser Gegenvorschlag entspricht weitgehend dem Vorschlag der beiden  Landeskirchen. Er sieht je eine Stunde Religionsunterricht beziehungsweise Religionskunde und Ethik vor.

Jeanpierre Menge gab sich nur teilweise befriedigt durch eine schriftliche Antwort des Kirchenrats auf seine Frage nach der Anzahl Pfarrpersonen deutscher Herkunft. In den letzten vier Jahren sei die Zahl um ein Drittel gestiegen, was ihn beunruhige. "Wie soll das weitergehen?", fragte Menge. Er forderte den Kirchenrat auf, aktiver auf eine Besetzung der Pfarrämter durch Schweizer Theologen hinzuwirken. Kirchenrat Thomas Gottschall verwies auf die Nachwuchsförderung der Bündner Kirche und auf Ergänzungsprüfungen, die auswärtigen Kandidaten zu erfüllen hätten. Kirchgemeinden wählen ihre Kandidaten selbstständig und machten offenbar gute Erfahrungen mit Pfarrpersonen aus Deutschland. Pfarrerin Silke Dohrmann betonte, nicht die Zunahme deutscher Pfarrpersonen sei das Hauptproblem, sondern fehlender Bündner Nachwuchs.