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Eine neue Topographie des Kirchenraums forderte Stephan Bösiger, Ardez, in seiner Proposition auf der Synode in Zizers.

Eigentlich läge den meisten reformierten Kirchenbauten in Graubünden ein urkatholisches Konzept zu Grunde, betonte Referent Stephan Bösiger. Nach der Reformation hätten die reformierten Bündner ihre Kirchen nicht neu gebaut, sondern umgestaltet. Eher wollten sie das Geld den Armen geben, als es in Kirchenbauten zu stecken. Sowieso war für die reformierte Theologie der Kirchenraum nur deshalb heilig, weil sich dort die Gemeinde vor Gott versammelte.

In der klassischen Kirche, der Basilika, stand der Thron des Kaisers unter dem Triumphbogen. Die katholische Basilika ersetzte Thron durch den Altar. Kirchen wurden auf dieses Zentrum hin gebaut. Dort wo die Eucharistie verteilt wurde war der Mittelpunkt der Kirche. Ganz anders verhält es sich mit den reformierten Kirchenbauten, von denen es in Graubünden nur wenige Beispiele gibt, etwa die Kirche Samedan. In reformierten Kirchenbauten steht die Kanzel im Mittelpunkt, alle Sitzplätze sind auf gute Hörbarkeit ausgerichtet, es gibt keinen Chor und keinen Triumphbogen.

Den heutigen Bedürfnissen anpassen
Mit seiner Forderung "wir brauchen eine neue Topographie des Kirchenraums" rief Stephan Bösiger dazu auf, vermehrt an der Ausgestaltung der reformierten Kirchen zu arbeiten, damit sie den heutigen Bedürfnissen entsprechen. Am Beispiel der Kirche Cazis zeigte er auf, wie parallel nebeneinander verschiedene Bedürfnisse Raum haben: Meditation, Gottesdienst, Musik, Gespräch sind durch verschiedene Stuhlung, Ausrichtung, Trennwände gestaltbar. Stephan Bösiger: "So kann eine Topografie entstehen, welche sich wie eine Landkarte des kirchlichen Lebens durch den Raum zieht."

Lothar Teckemeyer, Zuoz, verwies in seinem Koreferat auf den heutigen Perspektivenwechsel: Es gehe nicht mehr darum, dass ein Pfarrer von der Kanzel herab seine Erkenntnis verbreitet. Heute sei die entscheidende Frage: Wie nehmen Personen Aussagen auf? Wie erleben sie Räume? Was sei der Inhalt Ihrer Wahrnehmung? Können und wollen sie überhaupt zuhören? Was hindert sie? Diese Fragen müssten Kirchenbauten aufnehmen

Änderungen sind zeitaufwendig
In der anschliessenden Diskussion machten einzelne Synodale deutlich, wie langwierige es wird, wenn man Taufsteine oder Orgeln verschieben möchte, oder nur schon Bankreihen in Stühle verwandeln. Proponent Stephan Bösiger verwunderte das nicht: Es brauche Zeit für solche Prozesse. Schliesslich müsse eine ganze Kirchgemeinde ihre Theologie klären und dann in bauliche Veränderung überführen.

Am Nachmittag versammelte sich die Synode zur Dorfführung durch Zizers und einen Empfang durch den Gemeindepräsidenten. Abends traf die synodale Fussballmannschaft "pastors united" auf die "Soccer-devils Zizers". Die Zizerser "Teufel" gewannen den heiss umkämpften Match knapp mit 1:0.