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Mit der Forderung, die Kirche solle Gegentendenzen setzen, eröffnete Dekan Thomas Gottschall am Donnerstagnachmittag die evangelische Synode in der Kirche Zizers.
Den Fokus für die kommenden Jahre sieht Dekan Thomas Gottschall darin "Gegentendenzen zu setzen und die Balance zu finden". In seiner Eröffnungsansprache - vor der rund 120-köpfigen reformierten Pfarrerschaft des Kantons - forderte er eine ausbalancierte Professionalisierung der Bündner Kirche. Um die Europameisterschaft im Fussball zu gewinnen genüge es schliesslich auch nicht, nur zu verteidigen - oder nur auf stürmende Superstars zu setzen.
Die Zentren stärken Speziell betonte der Dekan, dass auf der bis Montag tagenden Synode neue Standesregeln für Pfarrpersonen diskutiert werden. Er erinnerte an den kürzlichen Konflikt um einen Bündner Pfarrer, der grosse Geldsummen entgegen genommen hatte. Standesregeln dienten "zum Schutz vor uns selber und zum Schutz der Bündner Kirche" meinte Gottschall. Berater, Supervisoren und Juristen hätten bereits längst solche Regeln.
Ein weiteres heisses Eisen griff Thomas Gottschall mit seiner Forderung auf, die Bündner Kirche müsse die Zentren stärken: "Unsere Jugend zieht es in die Zentren, dort wo das Leben ist." Natürlich bräuchten auch die Randregionen Stärkung, etwa durch Investitionen in Kirchenbauten. Aber den Zentrumsfunktionen müssten das Augenmerk der gesamten Bündner Kirche gelten – und das gelte nicht nur für Jugendarbeit.
Europäische Perspektive Mit der Einladung von zwei Theologen, die in Europäischen Institutionen arbeiten, setzte das Dekanat einen speziellen Akzent. Carla Maurer, Delegierte des Schweizerischen Kirchenbundes in Strassburg, redete zum interkulturellen Dialog der Religionen. In der Zeit von Kopftuchdebatten oder dem Streit um Mohammed Karikaturen sei klar, dass Religion eine politische Bedeutung hätte. Dialog sei gefordert, zwischen den Religionen, aber auch zwischen Kirchen und Politikern. Carla Maurer forderte eine stärkere Einbindung kirchlicher Vertreter in den politischen Institutionen. Zugleich ermunterte sie die Synodalen zu mehr interkulturellem Dialog in den Gemeinden und Schulen.
Rüdiger Noll, Direktor der Kommission Kirche und Gesellschaft bei der Konferenz Europäischer Kirchen in Brüssel, verdeutlichte in einem humorvollen Referat die Rolle der Kirchen als Lobbyist in der Europäischen Union. Dabei versuchen die Kirchen ethische Werte zu thematisieren und in europäischen Vereinbarungen einzubringen: Frieden, Menschenrechte oder Solidarität können solche Werte sein.
Zuvor war die Synode herzlich vom Schülerchor Zizers unter Dirigent Yves Zogg, sowie vom Vizepräsidenten der Kirchgemeinde, Bertold Gafner, willkommen geheissen worden. Standespräsident Leo Jecker begrüsste, als bekennender Katholik, die Synode in seiner Wohngemeinde. Er sei froh um die funktionierende Ökumene in Graubünden.
Mit der Wahl von Stimmenzählern, Gesangsleiter und minister synodi nahm die Synode danach ihre Geschäft auf. Sie hörte Lebenslauf und Predigt von Claudia Sabina Hoffmann, die sich als eine von drei Pfarrpersonen um Aufnahme in die Synode bewirbt. |