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Christoph Jaag, Stels, nimmt neu Einsitz in die reformierte Exekutive, den Kirchenrat. Er wurde heute vom Evangelischen Grossen Rat in Chur gewählt.

Der 54-jährige Prättigauer trat nach dem Rücktritt von Kirchenrat Lorenz Beck, Langwies, zu einer Kampfkandidatur um das frei gewordene Amt an. Zur Überraschung des kirchlichen Parlaments bat sein Gegenkandidat, Jon Manatschal aus Samaden, in einer persönlichen Erklärung darum, auf die Wahl von ihm zu verzichten. Manatschal, der dem Kolloquium Oberengadin angehört, war vom Kolloquium Unterengadin als Kandidat vorgeschlagen worden, was ihn "erstaunt und irritiert" hätte. Mühelos erreichte Christoph Jaag danach das absolute Mehr der Stimmen. Neben ihm wurden die bisherigen Kirchenräte Lini Sutter, Hans Morgenegg und Thea Urech ebenfalls mit absolutem Mehr im Amt bestätigt.

Bester Abschluss seit langem
Als "besten Abschluss seit Bestehen der Kirchenkasse" bezeichnete Kirchenrat Hans Morgenegg die finanzielle Situation der Landeskirche. Sie konnte rund 4 Millionen Franken mehr als vorangeschlagen erzielen, bei einem Budget von 13 Millionen Franken. Das Ergebnis sei auf den wirtschaftlichen Aufschwung zurückzuführen und "in diesem Masse nicht voraussehbar" gewesen. 1.5 Millionen Franken werden nun für Subventionen an kirchlichen Bauten zurückgestellt, zusätzlich1 Million Franken sind für bezugsberechtigte Kirchgemeinden reserviert. Morgenegg warnte allerdings vor Euphorie, die dunklen Wolken am kirchlichen Finanzhimmel seien mit der Finanzkrise und den Auswirkungen des neuen Steuergesetzes bereits sichtbar.

Religion und Ethik
In einer Konsultativabstimmung sprach sich das Kirchenparlament über die Zukunft des Religionsunterrichtes aus. Der Staat solle neu eine Wochenlektion "Religion und Ethik" verantworten und diese für obligatorisch erklären. Eine weitere Lektion würden die Kirchen verantworten. Dieser Religionsunterricht soll grundsätzlich ökumenisch sein, erlaube allerdings die Einrichtung von "konfessionellen Fenstern". Die weiteren Vorschläge: Landeskirche und Staat könnten zusammenarbeiten in der Ausbildung von Lehrpersonen und der Abstimmung des Lehrplans. Und der neue Religionsunterricht solle gestaffelt eingeführt werden, zu Beginn nur auf der Oberstufe. Mit dieser Abstimmung hat der Kirchenrat nun ein Verhandlungsmandat, um das Gespräch mit der Bündner Regierung aufzunehmen.

Abschluss der Neustrukturierung
Kirchenratspräsidentin Lini Sutter gab den Abschluss der sogenannten Neustrukturierung bekannt. In den letzten fünf Jahren wurden alle Kirchgemeinden nach Stellenprozenten bewertet. Für Lini Sutter bestehen noch kleinere Probleme in Einzelfragen, insgesamt aber zog sie ein positives Fazit.
Auf Anfrage von Grossrat Jean-Pierre Menge äusserte sich Kirchenrat Thomas Gottschall über den Anteil von Pfarrern aus Deutschland in der Bündner Kirche. Demnach kommen rund 50 Prozent der jetzt amtierenden Pfarrpersonen aus Deutschland. In den achtziger Jahren hätte dieses Verhältnis noch bei 20 Prozent gelegen. Eine Änderung der Tendenz könnten nur die autonomen Kirchgemeinden bewirken, die ihre Pfarrpersonen selber wählen. "Als Kirchenrat haben wir keine Steuerungsmöglichkeit", meinte Gottschall.