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Der Bündner Kirchenbote beteiligt sich ab Juni 2008 am Projekt einer Deutschweizer Kirchenzeitung unter dem Namen "reformiert.". Der Evangelische Grossen Rat gab am Mittwoch grünes Licht für das Projekt mit einer Gesamtauflage von 700 000 Exemplaren.
Als unbestritten bezeichnete Pfarrer Stefan Hügli, Präsident der Vorberatungskommission, die neue geplante Kirchenzeitung reformiert. Das gemeinsame Projekt von vier deutschschweizer Kirchenzeitungen erlaube einen interessanten Themenmix, die personellen Ressourcen seien wesentlich grösser als bisher und die Kirchenzeitung habe sogar eine höhere Auflage als der Blick. Ausserdem blieben Bündner Eigenheiten erhalten und die Kosten seien überschaubar. Der Rat stimmte den nötigen Änderungen des Reglements und Zusammenarbeitsvertrags diskussionslos und mit grossem Mehr bei einer Gegenstimme zu.
Fast wäre das Projekt dann aber später doch noch zu Fall gekommen. Seitens der Geschäftsprüfungskommission kritisierte Christine Bucher den Voranschlag 2008 für den Bündner Kirchenboten. Grossrat Christian Hartmann beantragte daraufhin, die nötige Erhöhung der Redaktion um 20 Stellenprozente nicht zu bewilligen, was eine Bündner Teilnahme an reformiert. unmöglich gemacht hätte. Der Rat lehnte allerdings diesen Antrag mit grossem Mehr ab.
Die Pensionskasse der Landeskirche wird überführt in die Pensionskasse des Kantons. Dieser für die Landeskirche epochale Schritt wurde ebenfalls mit grossem Mehr bei zwei Enthaltungen bewilligt.
Aufstockung von Fachstellen
Zu reden gab der Antrag des Kirchenrats, eine Reihe von Fachstellen aufzustocken. Dazu gehören Fachstellen für Jugendarbeit, Kinder und Kirche, Erwachsenenbildung, Kirche im Tourismus, Mission und Ökumene, Migration, Integration und Flüchtlingsarbeit. Bei diversen Pfarrämtern, so bemängelten mehrere Votanten, seien vor wenigen Jahren in der Peripherie des Kantons Stellen gekürzt worden. Nun würden diese Einsparungen wieder ausgegeben im Zentrum Chur. Gegenstimmen wiesen darauf hin, die neuen Fachstellen würden mit 100 000 Franken nur eine kleine Investition darstellen. Wolle die Landeskirche zukunftsfähig bleiben, müsse sie in Jugend und Bildung investieren. In der Einzelberatung wurden sämtliche Fachstellen bewilligt.
Der Voranschlag der Landeskirche für 2008 wurde angenommen. Er sieht Ausgaben in Höhe von rund 10 Millionen Franken vor. Grossrat Martin Jägers beantragte mit Erfolg, den Beitrag für das Blaue Kreuz Graubünden von 50 000 auf 60 000 Franken zu erhöhen.
Verfassungsrevision geplant
Grossrat Jean-Pierre Menge hatte auf der Sitzung im Frühjahr den Auftrag gestellt, eine Gesamtrevision der kirchlichen Verfassung durchzuführen. Der Kirchenrat schlug nun eine Revision in kleinen Schritten vor, bei der zunächst abgeklärt werden sollte, ob eine Teil- oder Gesamtrevision ins Auge gefasst wird. Damit war der Auftraggeber Jean-Pierre Menge nicht einverstanden und beharrte auf einer Gesamtrevision. Der Rat überwies seinen Auftrag zur Gesamtrevision an den Kirchenrat.
Die Kirchgemeinden Sils im Engadin und Silvaplana/Champfèr werden sich neu zu einer Kirchgemeinde zusammenschliessen. Der Rat hiess diesen Antrag gut.
Auf Anfrage aus dem Parlament nahm Kirchenrat Michael Ott Stellung zur Ethik-Initiative der Bündner Jungsozialisten. Diese fordern an Stelle des kirchlich verantworteten Religionsunterrichts einen staatlichen Ethikunterricht. Michael Ott bedauerte, dass sich die Juso vorgängig nie mit den beiden betroffenen Landeskirchen in Verbindung gesetzt hätten. Gerade der neue Ökumenische Lehrplan käme den Forderungen der Juso bereits in weiten Teilen entgegen.
Engagement für Diakonie gefordert
Unter dem provozierenden Titel Diakonie im Heidiland – Überlegungen zum Aufbau der vernetzten Nächstenliebe in einem modernen Bergkanton hatte am Morgen der Zürcher Theologieprofessor Ralf Kunz referiert. Mit augenzwinkernden Anspielungen auf Bündner Eigenarten und Eigensinn plädierte er für eine Vernetzung der Nächstenliebe. Die Kirche solle im Dorf bleiben und dennoch in Sachen Nächstenliebe unterwegs sein. Der Referenten glaubte nicht zwangsläufig, dass dies mehr Mittel benötige, er redete eher schonend von zusätzlichem Engagement. Man dürfe nicht mit dem Schrot der Anspruchshäufungen auf den Pfarrerstand schiessen, aber müsse eine moderne diakonische Arbeit in der Kirche koordinieren. Um einen Bären zu vergrätzen hätten die Bündner bereits einer Viertel Million Franken ausgegeben. Ralf Kunz: Das wären die Jahresgehälter von zwei diakonischen Mitarbeitern plus Sekretariat.
08.11.2007. Reinhard Kramm
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