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Langes Leben müsse positiver beurteilt werden. Das forderte Pfarrerin Martina Müller am Samstag in der Synodalproposition in Arosa.
Altern ist unerwünscht. Die Tatsache, dass die Lebenserwartung der Menschen gestiegen ist, wird als grosses gesellschaftliches Problem gesehen. Der Gesellschaft droht "Überalterung", den Rentenkassen der Kollaps. Ist eine Mehrheit der kirchlichen Klientel über 65 Jahre alt, so dient das Beobachtern als Zeichen für die Zukunftslosigkeit der Kirchen: Es sind ja nur Alte da, die Jungen fehlen.
Nicht ernst genommen? "Wir müssen uns dem Pessimismus und der Mutlosigkeit widersetzen, die hinter solchen Bildern steht", meint Martina Müller. Die Pfarrerin aus Safien referierte an der Synode Arosa zum Thema: Die Kirche und die alten Leute. "Was uns in der Öffentlichkeit zum Thema Altern entgegenkommt, ist ein Katastrophenszenario" beobachtet Müller. Da rede man von Gerontokratie, von Vergreisung der Gesellschaft. Manchmal entstünde sogar der Eindruck, als wären die Alten selbst daran schuld, dass sie so viele sind. Und wie steht es mit den Kirchen? Werden alte Menschen als wertvoller Teil der Gemeinschaft angesehen? "Alte sind ja so dankbar", hiesse es schnell einmal herablassend, "die sind mit wenig zufrieden." Da stecke man knapp dreissigjährige Pfarrerinnen zur Seelsorge ins Altersheim, falls es dort überhaupt noch Seelsorge gibt. Zwangsläufig habe sich inzwischen eine grosse Zahl älterer Leute von den Kirchen abgewandt, weil sie sich nicht ernst genommen fühlen. Erst langsam verabschiedeten sich auch die Kirchen von einer herablassenden Betreuungshaltung und machten sich auf den Weg zu einer neuen Alterskultur.
Neue Denkhaltung gefordert Lösungen für einen besseren Umgang mit Alter und Langlebigkeit möchte die zweiundfünfzigjährige Pfarrerin nicht vorschnell skizzieren. "In der Langlebigkeit muss sich Fülle verwirklichen lassen, biblisch gesprochen Shalom, Friede", meint Müller. Alte Menschen sollten Würde und Platz erhalten. Aber wie das geschehen muss, dass liess Martina Müller weitgehend offen. Sie möchte die Denkhaltung verändern – und keine Anleitung geben für Altersarbeit in Kirchgemeinden. In einem humorvollen Gegenreferat konterte Pfarrer Jörg Zinsli, Davos, einige Aspekte des Referates von Martina Müller. Den Aspekt des Shalom hielte er für eher schönfärberisch, die Katastrophenszenarien für übertrieben, die wirtschaftlichen Probleme der Rentenfinanzierung hingegen für real. Doch auch Jörg Zinsli ist überzeugt: "Man darf nicht mit schlechtem Gewissen alt werden."
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