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Gerade mal 35 Tage ist der neue reformierte Dekan Thomas Gottschall im Amt. Jetzt rief er alle reformierte Bündner Pfarrpersonen zu einer zweitägigen Arbeitstagung nach Chur.
"Ich möchte die Corporate Identity der Bündner Synode fördern", formuliert Thomas Gottschall als Ziel. Weniger Neudeutsch formuliert: Der 45-jährige Dekan wünscht sich eine gemeinsame Blickrichtung des kirchlichen Personals. "Es gibt eine Reihe Themen, die uns reformierte Pfarrer verbinden, die müssen wir suchen und lokalisieren", so Gottschall.
Grossaufmarsch von Referenten Um dies zu erreichen setzte der neue Dekan einen Grossaufmarsch von Referenten nach Chur in Bewegung. Allein fünf Vortragende referierten gestern Nachmittag und Abend vor dem versammelten Bündner Pfarrerinnen und Pfarrern: Matthias Wüthrich vom Schweizerischen Kirchenbund Bern sprach über "Kirche in reformierter Perspektive", sein Kollege Markus Sahli über "Was heisst reformiert-volkskirchlich?". Die Kirchenratspräsidenten aus den Kantonen Basel Stadt und Aargau, Lukas Kundert und Claudia Bandixen, stellten die veränderten kirchlichen Verhältnisse in ihren Landeskirchen vor – in Basel etwa sind nur noch 19 Prozent der Bevölkerung Mitglieder der Reformierten Landeskirche. Der Historiker Ruedi Brassel skizzierte das 100 Jahr Jubiläum der religiös-sozialistischen Zeitschrift "Neue Wege". "Für mich stecken in diesen Themen theologische Essentials" sagt Thomas Gottschall. Man müsse künftig über die Rolle der Volkskirche nachdenken, über die Rolle der Pfarrpersonen im Dorf und in den Kirchgemeinden. "Wir haben mehr gemeinsame Themen, als uns bewusst ist", glaubt Thomas Gottschall, was für ihn zugleich eine seelsorgerliche Dimension unter Seelsorgern bedeute. "Die Mitte der Kirche stelle ich mir seelsorgerlich vor", so Gottschall, nicht herablassend, nicht belehrend, sondern teilnehmend und klärend.
Offenheit der Kirche erhalten Arbeit dürfte dem reformierten Pfarrpersonal so schnell nicht ausgehen, das wurde auf der Arbeitstagung deutlich. Zwar könne man mit einer Deckungsgleichheit von Kirche und Volk in heutiger Zeit nicht mehr rechnen, meinte etwa Referent Markus Sahli. Aber die Reformierten müssten sich weiterhin als öffentliche Kirche verstehen, die sich für das Gemeinwohl einsetzt und eine Kooperation mit dem Staat sucht. Nur so liesse sich ihr Engagement in den Schulen, Spitälern, Gefängnissen und im Sozialbereich aufrechterhalten. Die Reformierte Kirche müsse offen bleiben und Pluralität zulassen. Dann könne sie auch distanzierte Mitgliedschaften sehr wohl aushalten. |