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Die Gleichstellung der Frau in leitenden Positionen wird immer selbstverständlicher – allerdings gibt es Ausnahmen. Das zeigte das Podiumsgespräch in der Martinskirche Chur über "Frauen in leitenden Positionen in Kirche und

Es ist noch nicht lange her, da kämpften Frauen gegen Abschätzung und Widerstände, wenn sie in leitende Positionen strebten. "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass eine Frau Kreispräsident wird", bekam Eveline Widmer-Schlumpf zu hören – und wurde dennoch Kreispräsidentin von Trin. Inzwischen ist für die heutige Regierungsrätin eine Gleichstellung zwischen Mann und Frau "einigermassen" erreicht, zumindest im Bereich der Politik. Anders sei es beim Blick in die Wirtschaft, etwa den Banken: "Dort leiten zu 99,9 Prozent Männer."

Probleme in der katholischen Kirche
Nicht ganz so rosig präsentiert sich das Bild in der katholischen Kirche. Zwar gehört Schwester Ingrid Grave als Dominikanerin "zu einem demokratischen Biotop innerhalb der Gesamtkirche". Aber in den entscheidenden Gremien der Kirche sässen noch immer zu Priestern geweihte Männer. "Ich glaube, dass zölibatär lebende Männer einfach auch Angst vor Frauen haben", begründete Ingrid Grave den jetzigen Zustand. Denn Frauen könnten durchaus leiten und seien durch ihre empathischen Qualitäten teilweise besser qualifiziert als Männer.

Lini Sutter, Präsidentin der Evangelischen Landeskirche, hatte bei der Nomination für dieses Amt gegen keine Vorbehalte zu kämpfen. Bereits ein Drittel der Präsidien von Schweizer Kantonalkirchen sind heute in Frauenhand. Aber: "Die grossen Kantonalkirchen in der Schweiz sind noch immer von Theologen und Männern geleitet." Dass sie selber Juristin ist und keine Theologin, empfindet Lini Sutter nicht als Manko. In der Reformierten Kirche gäbe eine Tradition der Mitarbeit von Laien.

Chaos Management als Qualifikation
Unter pointierten Fragen von Gesprächsleiterin und Publizistin Esther Girsberger kamen dennoch einige weibliche Führungseigenschaften zum Vorschein. Mangelndes Selbstvertrauen, oft als weibliches Manko bezeichnet, hatten diese drei Frauen bei Ihrem Gang in öffentliche Ämter zwar offensichtlich nicht. "Ich wollte dieses Departement haben", sagt etwa Eveline Widmer-Schlumpf klar. Aber Männer werden von den drei Podiumsteilnehmerinnen als bisweilen besser im Verkaufen erlebt, "gehen einfach mehr drauf" (Ingrid Grave), Frauen dagegen tendierten zum Perfektionismus, seien Übervorsichtig, wollten fertig durchdachte Lösungen präsentieren. Erfahrungen aus dem "Chaos-Management" mit Kindern und der eigenen Familie begünstigten dabei weibliche Eigenschaften wie Diplomatie und Empathie.

"Ich wäre vor 25 Jahren optimistischer gewesen", meinte Ingrid Grave auf die Frage, wann denn die Gleichstellung der Frau in der katholischen Kirche käme. Es brauche Zeit und einen neuen Papst. Gleichstellung im Bereich von Politik und Reformierter Kirche scheint sich dagegen, glaubt man den Podiumsteilnehmerinnen, zur Selbstverständlichkeit zu entwickeln. Allenfalls in der Wirtschaft blieben Sparten, in denen Nachholbedarf bestehe.
Reinhard Kramm