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Wie sollen sich Graubündens Reformierte gegenüber Ausgetretenen verhalten, die den Dienst der Kirche beanspruchen? Vor der Herbstversammlung des Evangelischen Grossen Rats referierte der Zürcher Privatdozenten Cla Reto Famos in Chur.
Angehörige wollen die Bestattung eines Familienmitglieds, das zur Kirche ausgetreten ist. Eltern melden ihre Kinder im Religionsunterricht an, sind aber selber ausgetreten. Ein Paar will heiraten, aber keiner der beiden ist reformiert. Zunehmend werden Pfarrämter mit solche Situationen konfrontiert. Sie müssen Lösungen finden, haben aber keine klaren Vorschriften.
Juristisch und theologisch verzwickt
In seinem Referat führte Cla Reto Famos vor allem die Kompliziertheit der Materie vor. Rechtliche, kirchenleitende und seelsorgerliche Aspekte führen zu unterschiedlichen Lösungen. Hat eine Taufe Sinn, wenn keine Erziehungsperson Mitglied der Kirche ist? Aus finanziellem Aspekt vielleicht ja, denn die Kirche gewinnt ein neues Mitglied. Aus seelsorgerlichem eher nein, denn welches Erziehungsberechtigte führt das Kind in den Glauben ein? Cla Reto Famos plädierte für den Grundsatz: "Einen Anspruch auf eine kirchliche Amtshandlung kann nur geltend machen, wer Mitglied ist". Bei den Ausnahmen sollte die Kirche einen Weg zwischen Härte und Anbiederung finden.
Deutlich sprach sich der Zürcher Privatdozent gegen eine Gebührenordnung für kirchliche Handlungen bei Ausgetretenen aus, wie sie bei einigen Schweizer Kirchen inzwischen üblich sind. Er will klare Regelungen, am liebsten Schweizweit, die den Wert der Kirchenmitgliedschaft deutlich machen.
Finanzen im Auge behalten
Der Voranschlag der Kirchenkasse für 2006 wurde genehmigt. Er sieht bei Ausgaben und Einnahmen von 9.3 Millionen Franken einen Vorschlag von 43'000 Franken vor. Grossrätin Christine Bucher betonte für die Geschäftsprüfungskommission, wie negativ sich der Umbruch des Steuergesetzes zukünftig für die Finanzen der Kirche auswirken könnte. So wird für das Jahr 2006 mit 700 000 Franken weniger Kirchensteuer gerechnet als 2004. "Die Kultussteuer muss deshalb bestehen bleiben", meinte die Grossrätin. Kernaufgaben der Kirche seien soziales Engagement und Bildung. Sparpotential ortet die Geschäftsprüfungskommission bei kirchlichen Bauten und Renovationen.
Der Rat verabschiedete Verordnungen zum pfarramtlichen Dienst in Graubünden und zur Weiterbildung kirchlicher Mitarbeiter. Kirchenrätin Thea Urech stellte die Aktion der Landeskirche "Wirtschaft soll Menschen dienen" vor. Während des Weltwirtschaftsforums Davos und der Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen 2006 finden Veranstaltungen in Graubünden zu ethischen Themen statt.
Präsidentin Silvia Scharplatz verwies darauf, dass im nächsten Jahr die politischen Grossräte neu gewählt werden. Es sei wichtig, diese Politiker für die Arbeit im Evangelischen Grossen Rat zu gewinnen um ihren Anteil im Rat stabil zu halten, meinte die Präsidentin.
Reinhard Kramm |