 Dekan Luzi Battaglia, Pfarrer in Andeer | archiv da novitads
The Passion of the Christ ist ein Film, der sehr eindrücklich inszeniert ist
- aber inhaltlich oberflächlich bleibt. Ich denke, der Film sollte nicht skandalisiert
werden - aber auch nicht empfohlen. Es sollte nüchtern gesagt werden,
Reduktion auf zwölf Stunden
Jesus wird von Regisseur Mel Gibson auf zwölf Stunden Leiden und Sterben reduziert. Sein Leben, seine Botschaft und sein Glaube spielen kaum eine Rolle. Die Grausamkeit der Hinrichtung, die der Film in den Mittelpunkt stellt, ist gerade nicht das Einzigartige an Jesus gewesen, sondern ein alltõgliches Schicksal im Römischen Reich.
Der Film ist so blutig, dass die Gefahr besteht, dass der Zuschauer nur die Brutalität sieht und nicht die Heilsbotschaft.
Der Grund der Erlösung liegt, so wie ich die Bibel lese und verstehe, nicht im Ausmass des Leidens Jesu. Erlösung hängt mit den Inhalten zusammen, für die Jesus mit seinem ganz auf Gott ausgerichteten Leben eingestanden ist, gelebt hat und gestorben ist.
Von diesen Inhalten, auf die sich letztlich eine Theologie gründet, erfahren wir im Film so gut wie nichts.
Problematische Historik
Problematisch ist auch der Anspruch auf historische Richtigkeit.
Differenzierte Ergebnisse heutiger Bibelwissenschaft sind im Drehbuch nicht zu finden. Die Evangelien legen ja keine Protokolle der Ereignisse der Passion vor, sondern Erzählungen, die vom Hintergrund der guten Nachricht, des Evangeliums vom anbrechenden Gottesreich her zu verstehen sind.
Fazit
Es ist dringend zu hoffen, dass diejenigen, die den Film anschauen, die Bibel selber in die Hand nehmen und lesen und nicht beim Film stehen bleiben.
Andeer, Samstag, 20. März 2004 |