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"Reformieren statt jammern"

22. Juni 2017 veröffentlicht von shuegli

Ilanz ist die kleinste Reformationsstadt Europas. Fünf Tage lang ist sie nun auch Tagungsort der Synode.
 
 
 
 
 
 
„Unsere Kirchgemeinde hat eine bewegte Geschichte“, sagte Kirchgemeindepräsident Martin Gabriel sichtlich stolz anlässlich der Begrüssung in der voll besetzten St. Margarethenkirche. Er wies die Anwesenden auf die historische Bedeutung des Kirchenraums hin. Von hier aus hatte einst die Bündner Reformation ihren Lauf genommen. 1526 fand hier die wegweisende Disputation zwischen  Johannes Comander und Abt Theodul Schlegel statt und der Bundestag fällte in den Jahren 1523 bis 1526 Entscheide, die die Verbreitung der reformatorischen Ideen in Graubünden ermöglichten. Auch mit der Synode 2017 wolle man Zeichen setzen, sagte Martin Gabriel weiter. Eines davon ist, dass der Synodalgottesdienst am Sonntag nicht in der reformierten Kirche, sondern in der Klosterkirche der Dominikanerinnen stattfinden wird.
 
„Geht es uns gut? Oder geht es uns sehr gut?“ fragte Dekanin Cornelia Camichel in ihrer Synodalansprache provokativ. Die reformierte Kirche hätte genügend Ressourcen, um sich den veränderten Gegebenheiten anzupassen. Zwar seien die sinkenden Mitgliederzahlen und die Sorgen um den Theologennachwuchs grosse Herausforderungen. Dennoch könne die Bündner Kirche aus einer Position der Stärke heraus handeln. „Wir sind gefragt“, sagte Camichel und nahm Bezug auf den Zehnjahresbericht, der am Samstag vorgestellt werden soll. „Sogar Nichtmitglieder nehmen unsere Dienste in Anspruch - wollen wir das? Was wollen unsere Mitglieder?“. Eines ist für Camichel klar: Jammern ist fehl am Platz. Vielmehr dürfen die Kirchen stolz sein auf ihre Botschaft von Christus, die anvertraut ist.
 
Das reformatorische Potential sei in den evangelisch-reformierten Kirchen längst nicht ausgeschöpft, sagte auch der Theologe Andreas Borter in seinem Gastvortrag. Die Erfahrungen heutiger Männer würden in der Kirche zu wenig angesprochen, gibt er den versammelten Pfarrpersonen zu bedenken. Die Reformation hätte zwar nach Aussage von Borter eine Neubewertung der Sexualität hin zum Positiven und Lustvollen gebracht, doch das kirchlich-theologische Handeln sei auch in der reformierten Kirche in diesem Punkt auf halbem Wege stehen geblieben. Auch in Bezug auf Autonomie und Väterlichkeit. „Braucht es 500 Jahre nach der Reformation eine neue Theologie der Zärtlichkeit?“
 
Bis Montagmittag wird die Synode in Ilanz tagen. Höhepunkt der Synode wird die Aufnahme von fünf neuen Synodalen am Sonntag in der Klosterkirche des  Dominikanerklosters sein.
 

Bild: Synodalansprache der Dekanin in der kunstvoll bebilderten Kirche St. Margarethen.
(Bild: Stefan Hügli)