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"Schmerzhafte Einbussen"

23. Januar 2017 veröffentlicht von shuegli

Mit der Unternehmenssteuerreform III  drohen der Bündner Kirche massive Ertragseinbussen. Kirchenratspräsident Andreas Thöny über mögliche Kürzungen und weitere Fragen, die für ihn mit der Vorlage verbunden sind.

 

 

Die Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden rechnet mit Mindereinnahmen von fünf bis zehn Prozent im Falle einer Annahme von USR III. „Das tut weh“, sagt Kirchenratspräsident Andreas Thöny. Welche Leistungen konkret abgebaut würden, müsste im konkreten Fall geprüft werden. Kürzungen bei der Seelsorge in Spitälern und Strafvollzugsanstalten, bei der Bildung und in der Beratung will Thöny nach Möglichkeit vermeiden.

Fest steht, dass die Bündner Kirche für das laufende Jahr mit Mindereinnahmen in der Höhe von 200‘000 Franken rechnen muss. Dies aufgrund einer vom Bündner Grossen Rat bereits beschlossenen Reduktion der Unternehmenssteuern. Ein Ja zu USR III hätte für die Evangelisch-reformierte Landeskirche drei- bis vierfach höhere Ausfälle zur Folge. Klar ist für Thöny, dass in diesem Fall mit der Regierung über Kompensationszahlungen diskutiert werden müsste. Zum Beispiel über Entschädigungen für Renovationsarbeiten an Kirchen, die unter Denkmalschutz stehen. Grundlage dafür könnte der „Bericht über die zukünftige Finanzierung der Landeskirchen“ aus dem Jahr 2015 sein. Darin bekennen sich Regierung und Parlament erstens klar zum jetzigen Finanzierungssystem der Landeskirchen und zweitens halten sie fest, dass die gesellschaftlichen Leistungen der Kirchen „erwünscht“ seien. „Ein Abbau wäre widersprüchlich“, sagt Thöny.

Was den Kirchenratspräsidenten allerdings noch mehr besorgt, ist die Tatsache, dass USR III ins Leben gerufen wurde, um die Steuerflucht in die Schweiz zu unterbinden. Herausgekommen sei eine Vorlage, die international tätigen Unternehmen durch neu eingeführte Instrumente weitere Steuerersparnisse auf Kosten von Ländern des Südens ermögliche. „Das Geld fehlt dort“, sagt Thöny, der in Zusammenhang mit kirchlichen Entwicklungsprojekten Einblick in diese Länder erhält. Zudem ist für ihn nicht nachvollziehbar, weshalb sich Unternehmen immer weniger am gesellschaftlichen Umfeld beteiligen sollen, in dem sie wirtschaften. Unternehmen treffen in der Schweiz auf perfekte Verhältnisse, was den Bildungsstand, die Sicherheit und die Infrastruktur betrifft, sagt Thöny. Doch allein in den letzten fünfzehn Jahren habe sich ihr Anteil am Steuersubstrat beinahe halbiert.

Stefan Hügli

 

Bild: Wer kommt für die Renovationskosten von unter Denkmalschutz stehenden Kirchen auf?
Bei einer Annahme von USR III müsste darüber neu verhandelt werden.
Das Bild zeigt Linierungsarbeiten in der Kirche Safien Platz.

SEK_Unternehmenssteuerreform lll aus theologisch-ethischer Sicht